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Leseprobe....


Die Neugierde siegt

Neugierig war Bibärt seit seiner Geburt - und hungrig, er hatte immer Hunger. Er liebte es, gemeinsam mit Mama, durch den Wald und die Flussauen zu streifen. Dort gab es viel zu erkunden, viel zu erleben und meistens passierte etwas Neues. Dieses Mal hatte er seine Nase in ein Loch voller Erdwespen gesteckt, die ihn daraufhin wie Raketen strafend attackierten. Bibärt rannte in Panik davon, um sich vor weiteren schmerzhaften Stichen zu retten und jammerte bitterlich. "Mamaaaaaaaa !"
Als sie zu Hause angekommen waren, legte ihm Mama einen Umschlag aus frischem Moos und kaltem Wasser auf die Schnauze voller Beulen und schimpfte:
"Das hast du jetzt davon, dass du überall neugierig herumwühlen musst. Bleib gefälligst am Wasser, dann passiert dir nichts."

Immer nur am Wasser ist langweilig, dachte Bibärt. Im Waldesinneren ist es viel spannender. Da sind oft diese seltsamen, zweibeinigen Tiere unterwegs, die ihre Schneidezähne nicht im Maul, sondern in der
Hand tragen, sie nennen sie Sägen. Mit den großen silbrigen Zacken können sie Bäume fällen. Das sieht lustig aus! Und es macht viel Krach!

Bibärt wartete ab, bis Mama wieder im Bau beschäftigt war. Heute wollte er einmal ohne sie den Wald erkunden. Mit Mama, das war okay, aber alleine - das war viel aufregender! Schließlich war er nicht ganz allein. Sein weißes, samtweiches Mäusi war mit dabei. Es hatte seinen Platz in seiner linken Hosentasche, saß dort unbeweglich und still.
Früher hatte er einmal eine echte Maus besessen. Die langweilte sich jedoch im Dunkeln seines Hosensacks und verschwand nach ein paar Wochen wieder im Unterholz der hochgewachsenen Bäume.
Irgendwann fand er ein, von kurzbeinigen und wild kreischenden Kreaturen, liegen gelassenes Plüschmäuschen, das bis heute sein Glücksbringer und treuer Gefährte geblieben war. Momentan schien es
allerdings zu schlafen und als Glücksbote nicht im Einsatz zu sein.

Eine Zeit lang genoss er es, nur in Gesellschaft mit Mäusi zu wandern, dann bemerkte er, dass er sich verlaufen hatte. Und zu allem Übel knurrte sein Magen, wie ein gereizter Wachhund. Mama hatte immer eine kleine Mahlzeit dabei, das vermisste Bibärt jetzt sehr. Daran hatte er nicht gedacht. Also suchte er nun selbst nach Sträuchern, Kräutern und
Baumrinden. Er fand einen dicken abgebrochenen Ast und legte ihn auf seine Schultern.
Wie anstrengend, wenn man alles alleine machen muss

Bibärt ließ sich auf einem nahegelegenen Felsen nieder und schaute sich missmutig um. Da erblickte er in der Ferne etwas, das ihn an jene runden Dinger erinnerte, die manchmal diese rätselhaften Zweibeiner
achtlos im Schatten der Tannen hinterlassen. Sie bezeichneten sie als Teller oder Untertassen. Meist war darauf etwas Spannendes zu finden. Fressen mochte er es nicht, aber es roch immerhin höchst interessant. So machte er sich erwartungsvoll auf den Weg, um es zu finden.

Bibärt erreichte die Lichtung. Da lag es - ein silbernes rundes, flaches Etwas. Groß wie der Baumstumpf einer alten Eiche und eingebettet im Moos des Waldbodens. Jede Menge blinkender bunter Schalter befanden sich darauf. Noch immer knurrte sein Magen.
Doch doof, wenn Mama nicht da ist. Sie kennt die besten Plätze mit den leckersten Sträuchern und Bäumen aber diese bunten Schalter
Mama hatte es ihm ausdrücklich verboten, auf Unbekanntem herumzudrücken oder herumzuhüpfen, aber Bibärt konnte einfach nicht widerstehen.
Er musste einen dieser grell funkelnden Knöpfe drücken und entschied sich für den roten, dieser gefiel ihm besonders gut.
Gespannt stand er vor dem kreisförmigen Geheimnis, das einer Untertasse glich und wartete, was nun passieren würde. Da öffnete sich abrupt eine Luke und naseweis, wie er war, kletterte er schnell
hinein. Unter der Erdoberfläche zeigte sich ein kleiner Hohlraum.
Eigenartig, stellte Bibärt fest, die Höhlenwand ist glatt und glitzert, wie die Holzschneide-Dinger der zweibeinigen Tiere.

In der Höhle befanden sich noch mehr Schalter in schillernden Farben. Ohne lang zu überlegen, drückte er erneut mit einem Stupser seiner Nase auf den roten. Rot - wie die Mütze, die ihm Mama gestrickt hatte.
Plötzlich gab es eine gewaltige Erschütterung, alles um ihn herum bewegte sich. Dieses unbekannte Objekt schien fliegen zu können. Dichter Nebel breitete sich aus.
Es entglitt ihm noch kurz ein zaghaftes "Oh je, Ameisenscheiße mit drei Äpfeln ...", sein Lieblingsspruch, wenn ihm bewusst wurde, dass er Mist gebaut hatte. Dann fiel er in einen tiefen Schlaf.
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